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Rundbrief Nr. 1

Autor: franzi | Datum: 09 Dezember 2017, 10:11 | 0 Kommentare

Den folgenden Rundbrief bekommen alle meine Unterstützerinnen und Unterstützer per Mail inklusive ein paar Bildern um einen guten Einblick in das zu bekommen, was sie finanziell aber auch ideell unterstützen. Dafür möchte ich allen meinen offiziellen Unterstützerinnen und Unterstützern auch hier noch einmal ein großes Dankeschön aussprechen! Natürlich möchte ich aber auch euch allen meinen Rundbrief mit Informationen zu meinem Alltag nicht vorenthalten und hoffe, dass ihr ihn mit gleichem Interesse lesen werdet.

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,

drei Monate bin ich nun in Ghana und es wird Zeit für mich, euch einen ersten Zwischenbericht über meine ersten Erfahrungen hier abzuliefern. Ich hoffe natürlich, dass ihr alle ganz fleißig meinen Blog (franzi.vem-freiwillige.de) lest, wo ich neben den Berichten auch immer wieder Fotos hochlade. Ich werde versuchen, euch in diesem Brief einen allgemeinen Überblick über mein bisheriges Leben hier in Ghana zu geben. Einiges wird sich sicherlich mit dem Blog überschneiden, aber da ich es im Blog noch gar nicht geschafft habe, von meinem „normalen Alltag“ zu berichten, möchte ich diesen Brief dazu nutzen euch davon ausführlich zu erzählen:

Jeden Morgen (Montag – Freitag) gehen wir (meine Mitfreiwillige Merlit und ich) von 8 Uhr bis ca. 8:30 Uhr zur Morgenandacht in der Verwaltung der E.P. Church. Dieses Verwaltungsgebäude ist quasi unser Nachbarhaus, sodass wir gar nicht früh aufstehen müssen, um dort pünktlich zu erscheinen. Allerdings sind wir trotzdem meistens eher wach, weil die Vögel ihre Konzerte geben, in der Kirche (auch quasi Nachbargebäude) schon irgendein Morgenprogramm abläuft oder draußen gefegt oder Rasen gemäht wird. Da es keine richtigen Fenster gibt, was gut ist, damit die Luft zirkulieren kann, hört man leider alles, was draußen abläuft. Aber da wir schon immer früh ins Bett gehen, da es ab 18 Uhr bereits dunkel draußen ist und wir nicht so viel an Abendprogramm haben, macht es auch nichts, schon früher wieder wach zu sein. In dieser Morgenandacht wird dann gemeinsam gesungen, gebetet, eine Bibelstelle vorgelesen und diese in einer kurzen Predigt erörtert und ggf. diskutiert. Einmal musste ich auch schon für alle ein kurzes Gebet sprechen, ich glaube, ich habe die Aufgabe halbwegs gut gemeistert. Und auch, wenn ich mit der Auslegung der Bibelstellen nicht immer ganz übereinstimme, ist es gar nicht so schlimm, wie ich anfangs dachte, dort jeden Morgen hinzugehen. Manchmal regt es wirklich zum Nachdenken an und im Allgemeinen ist es ein schöner Start in den Tag, bevor man zur Schule geht. Außerdem sehen wir dort jeden Morgen unseren Mentor, sodass wir Fragen und Probleme ganz unkompliziert und schnell klären können.

Nach der Morgenandacht holen wir noch schnell unsere Taschen aus der Wohnung und dann trennen sich die Wege von Merlit und mir, da wir an unterschiedliche Schulen gehen. Zu meiner Schule brauche ich zu Fuß nur ca. 5 Minuten, was sehr praktisch ist, da ich dadurch kein Taxi nehmen muss und Geld sparen kann. Als erstes begrüße ich dort die Schulleiterin (eine wirklich herzliche und kompetente Frau, insofern ich das beurteilen kann) und trage mich in das Anwesenheits-Buch ein. Dann gehe ich entweder ins Lehrerzimmer zu den Junior-Highschool-Lehrern, helfe dort die Aufgaben in den Heften zu kontrollieren, passe auf den kleinen Elikem, dem süßen Baby einer Lehrerin auf, wenn sie im Unterricht ist oder gucke mir verschiedenen Unterricht an, am liebsten allerdings bei einer ganz lieben Lehrerin die Integrated Science (sowas wie Sachunterricht) und Kunst in den Primary-Klassen 4-6 unterrichtet.

kurzer Exkurs zum Schulsystem in Ghana und Einblick in meine Schule

Die Primary School geht hier in Ghana von Klasse 1-6 und ist verpflichtend und daher weitestgehend kostenlos, wobei genauso wie in Deutschland Materialien wie Hefte, Stifte und sogar einige Bücher gekauft werden müssen. Danach geht man zur Junior High School (JHS) Form 1-4, also quasi Klasse 7-10, woran die Senior High School (SHS) anschließt, die man für weitere vier Jahre besuchen kann, was zum Beispiel Voraussetzung für den Besuch einer Universität oder einer Lehrerausbildung ist. In der Ho Dome E.P. Basic School, wo ich unterrichte, gibt es neben den Primary Klassen und den JHS-Klassen 1-2 auch noch Kindergartengruppen, die allerdings etwas anders ablaufen, als in Deutschland, da hauptsächlich Unterricht stattfindet und das freie Spielen eher Nebensache ist.

Aktuell halte ich eigenverantwortlich 3 Library-Doppelstunden á 60 Minuten in den Primary Klassen 4-6. Das heißt, dass ich dort die Bücher „anschleppe“ und dafür Sorge, dass es in dieser Stunde ruhig bleibt und alle ca. 40 Kinder lesen. Gleichzeitig überprüfe ich gerade nebenbei die Lesefertigkeiten der Kinder, und initiiere eine Leseförderung in den Library-Stunden und Pausen, da viele Kinder auch in den höheren Klassen nicht gut und einige gar nicht Lesen können. Das ist eine schöne und sinnvolle Aufgabe, mit der ich auch gut etwas anfangen kann, auch wenn es noch einmal ganz anders ist, Schülern auf Englisch Lesen beizubringen als in Deutsch. Sporadisch biete ich auch in der JHS Library-Time an, diese soll dann nach den Ferien fest etabliert werden.

Die Schule endet eigentlich um 14:30, daran schließt dann an einigen Tagen bis 15:30 noch die „Extra-Class“ an, in denen der Unterrichtsstoff noch einmal mit den Schülern wiederholt wird. Montags und Mittwochs bleibe ich noch zur Extra-Class und warte auf eine Schülerin aus der JHS und zwei Schüler aus der Primary, mit denen ich dann gemeinsam zum Straßenkinderprojekt, dem Nenyo Haborbor, fahre. Dieses Projekt richtet sich nicht unbedingt an Straßenkinder in dem Sinne, wie ich vorher dachte: Die Kinder haben meist Familien oder Verwandte, bei denen sie leben, kommen allerdings aus finanzschwächeren Verhältnissen, haben zum Teil nicht genug Geld für den Schulbesuch, für die Schulkleidung und waren daher oft gezwungen nicht nur nachmittags, sondern auch während der Schulzeit durch Straßenverkauf o.ä. zum Unterhalt der Familien beizutragen. Das Projekt finanziert ihnen den Schulbesuch, Bücher und wenn nötig auch Kleidung. Zudem findet eben an diesen beiden Tagen eine Art Nachmittagsbetreuung statt, bei der die Kinder gemeinsam beten, singen, die Bibel studieren, ihre Probleme besprechen, malen, basteln, Fußball spielen, oder auch Gartenarbeit erledigen. Außerdem erhalten die Kinder hier eine warme Mahlzeit. Diese Stunden hier können wir immer mal wieder mitgestalten und Ideen einbringen. Montags und Mittwochs sind wir dann immer erst spät zu Hause, sodass wir vielleicht noch etwas zu Essen machen, andere Freiwillige zu Besuch haben oder einfach mal unsere Ruhe genießen, bevor wir schlafen gehen.

Dienstags und Donnerstags bleibe ich nicht zur Extra-Class, sodass ich etwas früher zu Hause bin, um noch ein paar Sachen einkaufen, den Abwasch erledigen, Wäsche waschen oder einfach mal ausruhen zu können, bevor wir um 17:30 Uhr zu einer Chorprobe des EPSU-Chores gehen. Im Anschluss an die Chorprobe gehen wir dann meistens noch mit ein paar Leuten vom Chor zu einem Prayer-Meeting bis ca. 20:15 Uhr. Dort treffen sich ein paar Leute in unserem Alter, um erst eine Stunde lang für alles Mögliche zu beten (was für mich manchmal etwas langweilig ist, da ich einfach nicht so ausgelassen und euphorisch beten kann, wie die Leute es hier tun) und dann über ein bestimmtes Thema und verschiedene Bibelstellen zu diskutieren (was ganz interessant ist, da gefühlt alle die Bibel auswendig kennen und dadurch ganz andere Diskussionen zustande kommen als in Deutschland und das ganze einen Einblick in den Glauben dieser Menschen eröffnet).

Freitags nach der Schule und Samstags stehen kaum feste Termine an, außer der Frühsport. Da es hier sehr heiß ist und man bei über 30 Grad in der prallen Sonne keinen Sport machen möchte, gibt es viele Gruppen, die sich hier früh morgens treffen (abgesehen davon, dass die meisten Leute hier ohnehin eher aufstehen). So joggen wir Samstags bereits gegen 5:30 Uhr zum Stadium, wo wir dann von 6 Uhr bis ca. 7:15 Uhr mit einer Gruppe, die von zwei Trainern angeleitet wird, Sport machen. Dabei geht es erst einmal um ein paar Ausdauer-Übungen, daran anschließend etwas Krafttraining und abschließend ein paar Dehnübungen. Das ist bei dem fettigen und kohlenhydratreichen Essen ganz gut, zumindest einmal in der Woche etwas Sport zu machen. Ansonsten eignet sich insbesondere der Samstag entweder zum gründlichen Putzen und Wäsche waschen (per Hand!), oder aber auch für Ausflüge. So waren wir (wie ihr hoffentlich schon gelesen habt) einmal zum Bergsteigen am Adaklu-Mountain sowie in einem Monkey-Sanctuary und einem Weberdorf, aber auch schon ein ganzes Wochenende in Keta am Meer, wozu hoffentlich bald der Bericht folgt.

Sonntags gehen wir dann immer in die Kirche. In der Regel bei uns in den englischsprachigen Gottesdienst von 7 Uhr bis 9 Uhr. Dazu werde ich allerdings auch noch einen ausführlichen Blogeintrag schreiben, weshalb ich das jetzt einfach erstmal so stehen lassen werde.

Ansonsten ist zum Alltag noch kurz vom Markt zu berichten: Alle vier Tage ist hier in Ho Markttag, dann ist der große Markt (an dem man auch an anderen Tagen alles kaufen kann) richtig überfüllt mit Verkaufsständen und Verkäufern die teilweise extra aus Togo anreisen um ihre Ware frisch und günstig zu verkaufen. Es ist wirklich überwältigend, wie groß und gut besucht der Markt ist. Man kann alles an Lebensmitteln, Kosmetikprodukten, Stoffen, Second-Hand-Mode etc. erstehen. Gerade an Obst und Gemüse ist das Angebot allerdings doch sehr eingeschränkt, auch wenn es viele Stände gibt, aber viele verkaufen das gleiche. Tomaten erhält man zum Beispiel an einer bestimmten Ecke an gut 20 Ständen und auch so noch an einigen anderen Punkten auf dem Markt. Aber es macht einfach Spaß, über diesen Markt zu schlendern und einzukaufen, zudem gibt es an Markttagen „Togo-Bread“, ein mit Bohnen, Salat, Nudeln, roter Beete und Mayo gefülltes Baguette, sehr lecker!

So, ich glaube, nun habt ihr einen wirklich guten Überblick über meinen „normalen“ Alltag hier. Falls ihr Fragen o.ä. habt dürft ihr euch gerne bei mir melden. Am Besten erreicht ihr mich per Whatsapp unter +233 50 596 0464 oder aber auch per Mail. Und auch, wenn ihr keine Fragen haben solltet freue ich mich in jedem Fall, von euch zu hören! In ein paar Monaten werdet ihr schon den zweiten Rundbrief erhalten, bis dahin halte ich euch über meinen Blog oder den persönlichen Kontakt gerne auf dem neuesten Stand!

Ganz liebe Grüße aus dem warmen und sonnigen Ho

eure Franzi

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