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Weihnachtsferien - Teil 1

Autor: franzi | Datum: 16 Januar 2018, 07:42 | 1 Kommentare

Seit meinem letzten Blogeintrag ist nun schon wieder eine kleine Weile vergangen, das liegt unter anderem da dran, dass wir vom 15.12.2017 bis zum 07.01.2018 Weihnachtsferien hatten. In dieser Zeit habe ich jede Menge erlebt, von dem ich euch in diesem Blogeintrag zunächst einmal überblickhaft erzählen möchte. Einzelne Aspekte verdienen jedoch eigene Beiträge, die dann hoffentlich so schnell wie möglich folgen werden…

…bevor die Ferien angefangen haben, wurden in der Schule in jedem Fach Examen geschrieben, mit denen der Term (Schuljahre sind hier aufgeteilt in drei Trimester) abgeschlossen wurde. Das heißt, dass in den letzten Wochen kein normaler Unterricht mehr stattfand. Die Büchereizeiten konnte ich den Schülerinnen und Schülern trotzdem ab und zu zur Ablenkung und Beschäftigung anbieten. Ansonsten durfte ich auch einige der Examen beaufsichtigen. Das läuft alles etwas anders ab, als in Deutschland. In jedem Fach wird das Gelernte durch zentral gestellte Examen überprüft. Dafür gibt es einen Multiple Choice Teil und einen Teil, in dem man selbst etwas schreiben muss. Es geht hauptsächlich darum, das Gelernte in exakt den richtigen Worten zu reproduzieren, in den Aufgaben mit freien Antworten sollen die Schülerinnen und Schüler zwar selbstständig denken, aber auch hier ist die exakt richtige Antwort meistens vorgegeben. Das war für mich sehr spannend zu beobachten, weil es doch sehr anders ist, als das Lernen und Denken, was wir in deutschen Schulen versuchen zu fördern. Auch wurden teilweise mehrere Examen an einem Tag geschrieben, was auf mich teilweise sehr anstrengend wirkte.

Nach dem letzten Schultag vor den Ferien (an dem nur noch gespielt und aufgeräumt wurde), gab es noch eine Dienstbesprechung und eine kleine „Weihnachtsfeier“ für alle Lehrerinnen und Lehrer der Schule. Hier wurden dann Getränke und Snacks an alle verteilt und man hat noch nett beisammen gesessen, bevor es dann auch für uns in die Ferien ging. Nachmittags sind Merlit und ich dann zum Nenyo Haborbor gefahren, da auch hier eine kleine Weihnachtsfeier stattfinden sollte. Hierzu versuche ich euch demnächst einen eigenen Blogeintrag zu schreiben, da die Feier wirklich sehr schön war und auch unsere Hilfe dort anerkannt wurde, was uns große Freude bereitet hat.

Am Freitag, 15.01.2017 starteten wir dann unsere erste Reise an die Küste. Los ging es in Cape Coast. Die Fahrt dorthin war relativ abenteuerlich, da wir in Accra von der Station, an der wir mit unserem Trotro angekommen sind einmal komplett durch Accra zu einer anderen Station fahren mussten, um ein Trotro nach Cape Coast zu bekommen. Man empfahl uns Motorrad-Taxis zu nehmen, da sich diese schneller durch den stehenden Verkehr mogeln könnten. (Im Trotro hatte ich noch gedacht, wie lebensmüde es ist, durch diesen Verkehr mit Motorrädern zu fahren, also wollte ich mich eigentlich weigern, auf so ein Motorrad zu steigen.) Wir taten es dann aber doch, und auch, wenn ich wirklich etwas Angst hatte, einige Autos gestreift und Außenspiegeln ausgewichen bin, war es dennoch eine gute Entscheidung, ich glaube mit einem normalen Taxi hätten wir wirklich ewig gebraucht. In jedem Fall sind wir heile angekommen, haben dann auch (beim zweiten Versuch) ein Trotro nach Cape Coast gefunden und sind auch an dem Tag noch in Cape Coast angekommen. Dort haben wir dann in einem Beach Resort übernachtet, welches einige Überraschungen für uns parat hielt: Es war wirklich schnieke, quasi europäischer Standard, es gab eine große Auswahl an „europäischem Essen“ (Pizza, Pommes, Burger, …). Ich weiß gar nicht, was für mich erstaunlicher war, dass überall weiße Menschen rumliefen, oder dass dort in aller Öffentlichkeit geraucht (und zu späterer Stunde auch gekifft) wurde. Es war eine völlig verkehrte Welt, in der wir dort gelandet waren. Nach fast 4 Monaten habe ich mich so gut in Ho eingelebt, dass alles dort für mich zu einer Art Normalität geworden ist, umso stärker habe ich durch den „Schock“ (und die weiteren Erfahrungen im Urlaub) gemerkt, dass man nichts generalisieren sollte. Das, was ich in Ho erlebe ist einfach nicht alles auf ganz Ghana übertragbar. Es war wunderbar, noch so viele andere Seiten nun durch das Reisen kennenlernen bzw. einen kleinen Einblick in diese gewinnen zu dürfen. In Cape Coast haben wir zwei deutsche Touristen kennengelernt, mit denen wir uns dann am nächsten Tag ein Taxi zum Kakum-Nationalpark geteilt haben. Dort kann man über Hängebrücken durch die Baumwipfel eines Regenwaldes laufen, was total schön ist. Und so eine Geräuschkulisse, die man dabei hat, überall Vögel, Insekten, Frösche, und andere Tiere, die man hören konnte. Nach unserer Rückkehr haben Merlit und ich noch Cape Coast Castle besichtigt, welches insbesondere für den Sklavenhandel bekannt ist. Mehr über diese Geschichte zu lernen und den Ort mit eigenen Augen zu sehen war für mich sehr beeindruckend und fesselnd. Das Ganze fanden wir so spannend, dass wir beschlossen am nächsten Tag (17.12.2017) vor unserer Weiterfahrt auch noch Elmina Castle zu besichtigen.

Nachdem wir Elmina und das dortige Castle besichtigt hatten, haben wir unser Gepäck in Cape Coast eingesammelt und sind weiter nach Busua gefahren, wo wir drei Nächte verbracht haben (bis zum 20.12.2017). Wir haben in der Scorpion Lodge genächtigt, welche am Ende des Strandes an einer schönen Bucht liegt. Wirklich traumhaft: Man wacht morgens im Dezember nach einer langen Nacht am Lagerfeuer auf und kann direkt auf den Strand, die Fischerboote und das Meer blicken, dann muss man sich nur noch entscheiden, ob man erstmal bei der guten Florence einen fetten Pfannkuchen frühstücken geht, sich erst einmal in der Hängematte weiter ausruht, oder direkt in einen tollen Strandtag startet. Einen Tag habe ich mich auch am Wellen-Surfen versucht: ziemlich vergeblich allerdings. Am Ende hatte ich aufgeschürfte Knie und ein paar große blaue Flecken, aber immerhin eine Menge Spaß!

Auch, wenn ein paar andere deutsche Freiwillige es vergeblich versucht haben, wollten wir unbedingt noch bis Cape Three Points weiterfahren, da dies der südlichste Punkt Ghanas ist. Zudem gibt es dort einen Leuchtturm, den ich unbedingt sehen wollte…ich liebe Leuchttürme! Also machten wir uns (am 20.12.2017) nach dem Frühstück auf den Weg. In Agona mussten wir uns etwas nach dem richtigen Trotro durchfragen, konnten aber eines finden. Die Fahrt war dann jedoch sehr abenteuerlich. Die Straße war größtenteils eine reine Matsche, sodass alle Frauen an einem Berg aussteigen und hoch laufen mussten. Keiner konnte mit uns reden, da keine der Frauen wirklich Englisch sprechen konnte, sodass wir nicht so genau wussten, wie das ganze nun funktionieren sollte. Dennoch vertrauten wir da drauf, dass schon alles so richtig sein müsse, ließen unsere Rucksäcke im Auto und machten uns zu Fuß mit den anderen Frauen auf den Weg. Warum die Männer sitzen bleiben durften, kann ich nicht genau sagen. Meine Theorie ist ja, dass sie ggf. hätten anschieben müssen, falls das Trotro stecken bleibt, aber vielleicht war es auch nur, weil die Männer ihre Schuhe nicht selbst putzen sollten, wenn sie oben angekommen wären, wer weiß. Der Berg war auch wirklich nicht einfach zu erklimmen, da es total heiß war und man auch zu Fuß im Matsch stecken blieb und sich um die Sandalen innerhalb von ein paar Schritten ein großer Matschklumpen gebildet hatte. Oben wuschen wir dann Füße und Schuhe wie die anderen Frauen in großen Pfützen und wurden nach einiger Zeit tatsächlich vom Trotro wieder eingesammelt, dass es irgendwie auch den Berg hoch geschafft hatte. Später bergab mussten wir dann auch noch einmal aussteigen, weil der Regen tiefe Furchen in die Straße gegraben hatte, aber da wussten wir dann ja immerhin schon, wie das ganze funktioniert. In dem Dorf angekommen wurden wir von einem netten Mann (der auch im Trotro saß) mitgenommen, einen mysteriösen Weg durch den Wald und durch Tümpel (mit angeblich heilendem Wasser, immerhin haben wir dort keine Würmer bekommen) zum Strand. Er besitzt dort eine kleine Eco-Lodge (ohne Strom), wo wir auch hätten übernachten oder Essen können, er hat uns aber auch ganz lieb gezeigt, wo wir lang gehen müssen, um zum größeren Resort zu kommen. Der Strand war wirklich traumhaft. Sehr sauber und menschenleer als wir ankamen. Auf den ersten Blick noch paradisischer als alle Strände, wo wir bislang waren. Das Resort war dann aber auch wieder größer und wir trafen auf einige Urlauber und andere Freiwillige, die genauso wie wir den Weg hier hin geschafft haben. So genossen wir noch einmal einen Tag am Strand, besichtigten den Leuchtturm und ließen den Abend mit einem Lagerfeuer gemütlich am Meer ausklingen. Am nächsten Morgen (21.12.2017) wollten wir wieder zurück Richtung Ho fahren, da wir Weihnachten in Ho verbringen wollten. Aber auch das Wegkommen von diesem Ort gestaltete sich als etwas schwierig. Ein Trotro, was um 6 Uhr morgens direkt von der Lodge abfahren sollte hatten wir verpasst zu buchen, beim frühen aufstehen war niemand anzutreffen, weshalb wir dann weiter schliefen. Beim Frühstück stellte sich dann jedoch heraus, dass noch mehr Leute von hier wieder weg wollten und die Lodge versuchte für uns alle ein privates Trotro zu organisieren, was uns extra abholen würde (was natürlich etwas teurer war, aber was blieb uns anderes übrig). Wir kamen somit erst vormittags los und es war klar, dass wir nicht mehr im Hellen Ho erreichen würden.

So entschieden wir uns noch eine Nacht (vom 21.12.2017-22.12.2017) in Winneba zu machen. Auch dies erwies sich wieder als Abenteuer, da das Hostel direkt am Strand, was uns empfohlen wurde irgendwie nicht wirklich offen hatte, man uns sagte, der Besitzer würde kommen und wir nach 1,5 Stunden aber doch entschieden, uns erstmal etwas zu Essen zu besorgen. Auch dies erschien nicht ganz so einfach, da nirgendwo mehr etwas angeboten wurde. Ein Ghanaer hat uns dann zu einem relativ noblen Hotel geführt in dessen Restaurant wir dann endlich etwas (leckeres) zu Essen bekommen haben. Wir entschieden uns dann auch in diesem Hotel zu übernachten, da ein kleines Doppelzimmer mit Bad auch nicht mehr viel teurer war als das Hostel am Strand. Das war eine gute Entscheidung, denn wie sich herausstellte hatten wir sogar W-LAN und ich konnte Filme auf Netflix runterladen (man muss dazu sagen: wir sind auf Entzug, unsere Festplatte mit Filmen ist kaputt, das W-LAN der Kirche können wir nicht nehmen um Filme runterzuladen und im Internetcafé ist das Internet so langsam, dass man in einer Stunde nicht einmal einen ganzen Film schafft). Die Möglichkeit haben Merlit und ich natürlich sofort ausgenutzt und uns ordentlich mit Filmen versorgt!

Das war auch schon das Ende unseres ersten Urlaubes. Wir sagten morgens (22.12.2017) dem Meer „auf Wiedersehen“ und fuhren weiter nach Ho. Damit der Blogeintrag nicht noch länger wird (vielen dank, dass du bis hier hin überhaupt durchgehalten hast), werde ich von Weihnachten und unserer zweiten Reise in den Norden nach Weihnachten in seperaten Blogeinträgen berichten! Fotos lade ich selbstverständlich auch alsbald hoch, wer allerdings neugierig ist und Instagram hat: Ich habe schon einige Fotos dieser Reise auf meiner Seite (yawa.ghana) hochgeladen! Wie immer hoffe ich, dass das Lesen trotz der Länge Freude bereitet hat und ich von euch höre!

Ganz liebe Grüße aus dem warmen Ho!

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Kommentare

  1. 1. sulin  |  19 April 2018, 08:10

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