VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Annika  |  Chantal  |  Charlotte  |  Feli  |  Franzi  |  Fritz  |  Hanna  |  Laura H  |  Laura M  |  Lena  |

Lina  |  Maida  |  Mareike  |  Matthis  |  Merlit  |  Miri  |  Paul  |  Pauly  |  Rebekka  |  Renke  |  Tabea  |

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

Weihnachtsferien - Teil 2

Autor: franzi | Datum: 07 März 2018, 14:07 | 0 Kommentare

Ihr Lieben, wie versprochen gebe ich mir Mühe, die ganzen Blogeinträge über meine vergangenen Erlebnisse nachzureichen. Hier folgt er nun, mein Bericht über die spannende Reise in den Norden Ghanas vom 28.12.2017 bis 06.01.2018 auf der wir Elefanten und andere wilde Tiere gesehen haben, fast nackt einen Gebets-Schrein besucht haben, das ein oder andere Shopping-Erlebnis hatten, traditionelle Paläste besichtigt und mit Krokodilen gekuschelt haben, aber ich fange mit dem berichten mal von vorne an…

…los ging unsere Reise wie gesagt am Donnerstag den 28.12.2017, nachdem wir den Abend davor noch den Geburtstag von Fidelia (Frau von unserem Mentor) mit einer kleinen Überraschungsparty gefeiert haben. Wir fuhren also vormittags mit dem Trotro nach Accra, wo wir nach einigem Suchen auch eine VIP-Bus-Station gefunden hatten, welche Busverbindungen über Nacht nach Tamale anbietet, wir kauften unsere Tickets und verbrachten den Tag mehr oder weniger damit zu warten, bis der Bus am Nachmittag abfuhr. Außerdem trafen wir dort Lilli, eine Schulfreundin von Merlit, die auch gerade einen Freiwilligendienst in Ghana absolviert und mit der wir dann gemeinsam diesen Urlaub verbracht haben.

Am 29.12.2017 kamen wir dann nach einer wirklich entspannten Busfahrt früh morgens in Tamale an. Diese Busse sind zwar etwas teurer, aber man hat viel Platz, kann die Sitze zurück machen und sie fahren direkt durch. Wir haben auf der Strecke auch schon von einem nächtlichen Überfall gehört, weshalb wir etwas Sorge hatten, aber alles in allem habe ich mich sehr sicher gefühlt und würde es auch jederzeit wieder so machen. Geschlafen habe ich natürlich trotzdem nicht viel und vor allem nicht tief – schließlich lag ich nicht in meinem Bett. Nach der Hotelsuche wollten wir voller Tatendrang los und Tamale erkunden, mussten dann aber feststellen, dass es selbst für den Markt zu früh war. Also entschieden wir uns dazu uns erst einmal hinzulegen und etwas auszuruhen. Auf dem Markt, einer großen Moschee und einem Craft Market mit Kunsthandwerk waren wir dann nachmittags noch. In dem Craft Center haben wir sehr viel Zeit verbracht und sind ausgiebig von einem Shop zum nächsten gebummelt, haben uns alles genau angeguckt und ein paar Sachen gekauft. In Tamale in dem Craft Center findet man insbesondere Bilder sowie Kunst aus Holz und Stoff.

Am nächsten Morgen (Samstag, 30.12.2017) sind wir dann direkt weiter Richtung Mole Nationalpark aufgebrochen. Eigentlich wollten wir nur auf dem Weg in Larabanga halten (wo wir eh umsteigen mussten), um uns die älteste Moschee Ghanas und eine der ältesten Moscheen Westafrikas anzugucken. Die Moschee war viel kleiner, als sie auf Bildern wirkt, aber von der Bauweise dennoch sehr interessant und beeindruckend. Auf Rat der Tourguides entschieden wir uns dann auch dazu, eine Nacht in Larabanga zu bleiben und von dort aus noch einen Ausflug ins Mognori-Ecovillage zu machen für eine Kanu-Safari bevor wir am nächsten Morgen dann weiter zum Mole Nationalpark wollten. Unsere Übernachtungsmöglichkeit war etwas sehr abenteuerlich und unprofessionell, was mir nicht so gut gefiel, aber passiert ist uns ja nichts. Die Kanutour war dafür sehr entspannt und ein guter Einstieg in unsere Safari-Abenteuer. Wir wurden von zwei Männern in einem großen Kanu über einen kleinen, sich kaum bewegenden Bachlauf geschippert. Krokodile konnten wir leider keine erblicken, aber die Kühle des Wassers genießen und bunte Vögel sowie riesige Leguane erblicken. Ich wünschte immer noch, dass ich ein Buch über die Flora und Fauna in Ghana hätte, in dem ich nachgucken könnte, wie die ganzen Tiere und Pflanzen genau heißen, aber leider habe ich so etwas noch nicht gefunden.

Früh am Sonntagmorgen (31.12.2017) ging es dann weiter in den Mole Nationalpark, damit wir dort direkt um 7 Uhr an der Jeep-Safari teilnehmen konnten. Wir übernachteten im Mole Motel, welches sich im Nationalpark befindet und von dem aus man auf Wasserstellen blicken kann, an denen wir bei unseren Frühstücken Elefanten beim Baden beobachteten konnten. Das Motel ist zwar etwas teurer als sonstige Übernachtungsmöglichkeiten in Ghana, auch, wenn man im Dorm schläft, insbesondere, weil es ja nichts gibt, wo man Essen gehen oder kaufen kann, außer das Restaurant des Motels, aber es lohnt sich! Wann kann man sonst schon beim Frühstücken Elefanten beobachten, trifft Warzenschweine auf der Straße oder bekommt morgens Besuch von einer Affenbande? Wie geplant ging es dann nach dem Einchecken als Erstes los zur Jeep-Safari. Für diese haben wir uns spontan mit einer amerikanischen Familie zusammen getan, die ihren Sohn, der auch einen Freiwilligendienst in Ghana macht zu der Zeit besucht hat und die zusammen gereist sind. Diese Familie war so lieb und hat uns für die Zeit im Mole quasi adoptiert. Wir haben gemeinsam Silvester gefeiert, zu Abend gegessen, gefrühstückt, im Pool gechillt und Bier getrunken, Karten gespielt, etc. und sind dann mit ihnen gemeinsam nach Tamale zurück gefahren. Eine wirklich herzliche Familie! Alleine für solche Aufeinandertreffen lohnen sich solche Reisen! Witzig war auch, dass wir Eva, eine Schwedin, wiedergetroffen haben, die wir in Busua kennengelernt hatten. Zu Beginn der Jeep-Safari sagte der Ranger noch, dass es keine Garantie gäbe, dass wir Elefanten sehen und wir starteten auch erst einmal mit vielen Vögeln, Antilopen und Affen. Aber es dauerte gar nicht lange, bis uns ein Jung-Bulle auf dem Weg entgegenkam. – Ihr glaubt gar nicht, wie glücklich ich war! Mein Tag war gerettet, es konnte kommen was wolle! Ich habe einen Elefanten in freier Wildbahn gesehen. Aber es kam tatsächlich noch besser. Am Ende der Safari stiegen wir an der Wasserstelle aus, sahen einen Elefanten trinken und auch noch ein paar Krokodile. Als wir dann von der Safari zurück waren und beim Frühstück saßen kamen noch mehr Elefanten zum trinken und baden an die Wasserstelle. Ich konnte es kaum glauben. Es war so schön das alles beobachten zu können! Und wir konnten es auch am nächsten morgen noch einmal und haben dann auch noch eine Safari zu Fuß gemacht, bei der wir den Elefanten noch einmal nahe kommen konnten. Am liebsten wäre ich dort geblieben, es war einfach so wunderbar schön! So etwas habe ich noch nie so hautnah erleben dürfen. Ich freue mich da drauf, wenn mein Verlobter Lucas mich besuchen kommt und wir es hoffentlich noch einmal gemeinsam an diesen wunderbaren Ort schaffen!

Am Dienstagmorgen (02.01.2018) ging es dann leider weiter. Aber wir wollten ja schließlich noch mehr von Ghana sehen und noch weiter in den Norden kommen. Also fuhren wir zurück nach Tamale und nahmen dort ein Trotro nach Bolgatanga (kurz: Bolga). Bolga liegt ziemlich weit im Norden, nicht weit von der Grenze nach Burkina Faso. Es ist berühmt für seine Korbflechtkunst und auch, wenn ich vorher gesagt habe „ich kaufe keinen Korb, was will ich denn damit und wie will ich den mitbekommen“, bin ich von Bolgatanga nicht nur mit einem schönen neuen Korb, sondern auch einem Hut abgereist. In Bolga an sich gibt es nicht so viel zu sehen, bis auf ein Craft Center sowie einen Markt, aber von Bolga aus kann man verschiedene Tagesausflüge machen. Wir entschieden uns daher auf einen Stopp in Kumasi zu verzichten und lieber mehr Ausflüge von Bolga aus zu machen, da es ja nicht so einfach ist, noch einmal so weit in den Norden zu kommen.

Am Mittwoch (03.01.2018) sind wir nach Paga gefahren, welches direkt an der Grenze zu Burkina Faso, also noch nördlicher als Bolga liegt. Paga ist bekannt für seine „Crocodile Ponds“, in denen heilige (und friedliche) Krokodile leben, die eine Touristen-Attraktion sind, da man die Krokodile hier anfassen kann (was wir dann tatsächlich auch gemacht haben). Laut Reiseführer sollte man eine Fahrradtour machen können, wo wir alle Lust drauf hatten. Dies schien aber gerade nicht offiziell angeboten zu werden und für so unter der Hand von einem privaten Guide haben wir uns zu abgezockt gefühlt. Somit entschieden wir uns auch gegen das Besichtigen eines Sklaven-Camps, welches etwas außerhalb liegt. Dafür haben wir uns dann noch den „Chiefs-Palace“ von Paga angeguckt. Die Chiefs sind die traditionellen Oberhäupter von Gemeinden und Regionen und kleinen Volksgruppen. Diese bestehen heutzutage noch in Ghana, auch wenn es zusätzlich „normale“ Rechtssysteme und demokratische Strukturen gibt. Chief wird man als Sohn von einem Chief nach traditionellen Regeln, man wird dann (zumindest in Paga) von den Göttern ausgewählt. Vor dem Palast befindet sich ein Gerichtshof, auf welchem Straftaten verhandelt werden können sowie ein Hügel, auf welchem auch heutzutage noch getrommelt wird, wenn eine wichtige Information weiterverbreitet werden muss, sowie Opferaltare, an welchen man die traditionellen Götter anbeten kann. Die Chiefs haben auch traditionell mehr als eine Frau, die dann mit ihren Kindern alle ein eigenes kleines Haus im Palast haben. Der Chief in Paga hatte auch nur eine Hand voll Frauen. Die Führung durch den Palast hat einer der Söhne unternommen, was die ganze Sache noch spannender gemacht hat, da wir so viele Fragen zu einer uns so unbekannten Welt stellen konnten, die uns dann alle ausführlich beantwortet wurden.

Die traditionelle Religion und die Chiefs und alles hat mich so sehr fasziniert, dass ich auf jeden Fall noch mehr davon erfahren und erleben wollte. Somit sind wir dann am Donnerstag (04.01.2018) nach Tongo und den Tengzug-Hills und dem Tengzug-Shrine gefahren. Die Fahrt hier hin war schon atemberaubend, da wir auf einmal in einer ganz hügeligen Landschaft waren, die übersäht von Felsbrocken war. Als erstes haben wir auch hier den Palast angeguckt. Der Chief hier hat allerdings sage und schreibe 27 Frauen, weshalb der Palast auch etwas größer ist, als der in Paga. Dieser Ort gilt als Pilgerstätte für Ashanti Traditionalisten. Dementsprechend war der Shrine für uns natürlich noch interessanter. Dieser Shrine liegt in einer kleinen Felshöhle in einem Berg, sodass man wirklich klettern muss. Bevor man diesen dann betreten darf muss man sich obenrum frei machen (ja, wirklich komplett, auch kein BH) und die Hosen oder Röcke mindestens bis über das Knie hochkrempeln oder hochbinden. Das war schon witzig, da wir es ja aus Ghana eher kennen, alles bedecken zu müssen, aber früher durfte man diesen Shrine wohl nur komplett nackt betreten. Hier sitzt tagsüber immer ein alter Mann rum, der einen Jungen zur Seite hat, diese führen dann die Opferrituale durch, wenn jemand ein Huhn oder ähnliches zum Opfern mitbringt (man kann wohl auch nur Federn und Blut opfern, wenn man sowieso ein Huhn zum Essen geschlachtet hat). Das ganze macht man (soweit ich es verstanden habe), um den Göttern für etwas zu danken, was eingetreten ist. Man kann also her kommen, um Kindersegen bitten und wenn dann der langersehnte Kinderwunsch in Erfüllung geht, so kommt man zurück und opfert. Es war wirklich interessant so einen Einblick in einen traditionellen Glauben zu bekommen, von dem wir in unserem so stark christlich geprägten Umfeld in Ho ja sonst gar nichts mitbekommen.

Als letzte Station, bevor wir nachmittags wieder den VIP Bus von Bolga nach Accra genommen haben, haben wir uns am Freitag, den 05.01.2018 noch Sirigu angesehen. Sirigu ist bekannt für seine Töpferkunst sowie Wandmalereien. Wir waren bei SWOPA, der Sirigu Women Organization of Pottery and Art, die dort Frauen in den traditionellen Handwerken ausbilden und somit Arbeitsplätze schaffen und gleichzeitig dafür sorgen, dass die traditionelle Kunst nicht ausstirbt. Und das, was die dort fertigen ist wirklich wunderschön (allerdings war mir Töpferware dann doch zu schwer um sie mitzunehmen, irgendwie müsste sie ja auch nach Deutschland kommen). Aber wir haben eine Führung zu Häusern gemacht, dessen Mauern traditionell bemalt sind und haben dazu viel zu der Bedeutung gelernt. Außerdem konnten wir von einer Frucht des Baobab-Baumes probieren, die mit etwas Fantasie wirklich nach Schokolade schmeckt – habe ich auch noch nie in meinem Leben. Das war es also – die letzte Station. Nun hieß es: Zurück nach Ho (was übrigens dieses Mal etwas komisch war, da ich doch sonst nach einem Urlaub immer nach Oldenburg, also nach Hause, zurück gekehrt bin und jetzt Ho das Ziel war).

Noch einmal eine generelle Info zu öffentlichen Verkehrsmitteln in Ghana (für alle, die es interessiert): Zwischen Städten und teilweise auch innerhalb von großen Städten wie Accra fährt man am besten mit Trotros (die ich euch ja schon in einem früheren Beitrag vorgestellt habe). Längere Strecken kann man wirklich bequem (wie oben beschrieben) mit VIP oder VVIP Bussen fahren, die nur drei Sitze in einer Reihe hat und somit sehr komfortabel sind (allerdings ist es empfehlenswert was warmes zum überziehen und zudecken mitzunehmen, ich habe beide Strecken gefroren und war jeweils hinterher erkältet). Möchte man innerhalb von Städten von A nach B kommen, oder zu einer Stadt / einem Dorf in der Nähe kommen (wie zum Beispiel die Orte um Bolga herum) nimmt man am besten ein Taxi. Wenn man glück hat, kann man ein Shared-Taxi nehmen, was man sich genauso wie ein Trotro mit anderen Leuten teilt. Wenn die Strecke jedoch nicht viel befahren ist, muss man manchmal ein ganzes Taxi mieten, die fahren einen dann an den gewünschten Ort, warten dort auch auf einen und fahren einen dann wieder zurück. Zusätzlich kann man noch mit Motorrädern fahren, was aber in Ho zum Beispiel weniger üblich ist, als in Kpalimé in Togo, wo wir zum Zwischenseminar waren, wo man fast ausschließlich so innerorts gefahren ist. Aber eine abenteuerliche Motorradfahrt hatten wir auch schon: eine Stunde lang kreuz und quer durch den stehenden Verkehr und Gegenverkehr in Accra (was ich nicht weiterempfehlen würde).

Ich hoffe, mein Bericht war nicht zu langwierig und zu langweilig. Auf jeden Fall hoffe ich, dass ich es geschafft habe, das Reisefieber für Ghana in euch zu wecken? – Ich kann es euch wirklich nur empfehlen! Wenn ihr die Chance dazu habt: Macht es! Ghana wird auch als Einsteigerland für Rucksackreisen in Afrika empfohlen, weil es vergleichsweise sicher ist, man mit Englisch immer und überall weiter kommt, die Infrastruktur doch gut ausgebaut ist und ich würde hinzufügen: Weil es einfach schön ist und so vielseitig und interessant ist!

Ein paar kleinere Ausflüge und eine Reise mit Lucas stehen mir ja noch bevor. Ich freue mich sehr da drauf, euch auch davon berichten zu können! Da das mit dem Fotos hochladen in diesem Blog immer so nervig ist und nicht gut funktioniert und ich keine im Text einbinden kann, verweise ich noch einmal auf meinen Instagram Account (yawa.ghana), wo ich Impressionen von jeder Station dieses Urlaubs mit einer kurzen Beschreibung gepostet habe. Wer keinen Instagram-Account hat und trotzdem mehr Fotos sehen möchte von etwas, der kann mir aber auch gerne per Whatsapp schreiben!

Ich hoffe, es geht euch allen gut und freue mich wie immer von euch zu hören! Ganz liebe Grüße aus Ghana, wo so langsam die Trockenzeit zu Ende geht und damit auch hoffentlich bald der blöde Staub verschwindet.

«Neuerer Eintrag | Älterer Eintrag»

 

 

Kommentare

 

 

Kommentar Verfassen

 This is the ReCaptcha Plugin for Lifetype