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Happy Birthday Ghana! - Mein Independence Day

Autor: franzi | Datum: 19 März 2018, 14:22 | 0 Kommentare

Happy Birthday Ghana! – Am 06.03.2018 konnte Ghana seinen 61. Independence Day (Unabhängigkeitstag) feiern. Ich hatte die Ehre, nicht nur dabei sein zu dürfen, sondern auch Teil dieses Ereignisses zu sein, aber bevor ich euch davon berichte, möchte ich euch eine knapp zusammengefasste historische Einführung zuteil kommen lassen…

…Ghana, damals die „Gold Coast“, war von 1844 an für 113 Jahre britische Kolonie. Interessant ist, dass die Voltaregion, in der ich lebe, ursprünglich nicht zur Gold Coast gehörte, sondern zu Deutsch-Togoland (somit war die Ewe-Region insgesamt unter deutscher Kolonialherrschaft). Nach dem ersten Weltkrieg wurde Deutsch-Togoland dann aufgeteilt zwischen Frankreich und England und die Voltaregion gelangte unter britische Herrschaft und hieß seitdem Britisch-Togoland. Im zweiten Weltkrieg kämpften viele Ghanaer für England, womit auch der eigene Wunsch nach Freiheit gestärkt wurde. Es gab Proteste, Wahlen, bei der Kwame Nkrumah zum Präsidenten gewählt wurde, der sich stark für die Unabhängigkeit Ghanas einsetzte. Dies passte der britischen Kolonialverwaltung natürlich gar nicht, weshalb sie Nkrumah sogar ins Gefängnis sperrrte. Nkrumahs Partei wurde vom Volk jedoch weiter unterstützt und Nkrumah wieder gewählt, weshalb er wieder freigelassen wurde. Die Wirtschaft Ghanas war zu dieser Zeit durch gestiegene Kakaopreise stark. So kam es, dass die Gold Coast am 6. März 1957 als erster afrikanischer Kolonialstaat unabhängig wurde. Im selben Jahr wurde per Volksentscheid Britisch-Togoland Teil dieses neuen Staates Ghana.

Dieser Independence Day ist auch heute noch in Ghana wirklich sehr wichtig. Es findet eine große Militärparade in Accra statt, die dann im Fernsehen übertragen wird. Aber auch in anderen wichtigen Städten, wie Ho, der Hauptstadt der Voltaregion, werden Paraden abgehalten, an denen wichtige Politiker und Chiefs zu Besuch sind. Die Parade in Ho findet im Jubilee Parc statt, welcher 2007 zum 50-jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit gebaut wurde. Neben den Trupps von Militär, Feuerwehr, Polizei, etc. nehmen auch die Kadettengruppen der Senior High Schools sowie Gruppen aller möglichen Primary- und Junior High Schools in Ho an dieser Parade teil. Dieses Jahr durfte die Ho Dome E.P. Basic School die Schulen der Evangelical Presbyterian Church vertreten – meine Schule!

Seit Wochen wurde auf diesen Tag hingefiebert und alle möglichen Vorbereitungen getroffen. Die Lehrer haben eine neue Festtagsuniform bekommen, die auch ich als „Lehrerin“ der Schule tragen darf. Dafür wurde ein Stoff ausgesucht (leider stehen und gefallen mir die Farben nicht sooo gut), aber jeder durfte da draus schneidern lassen, was ihm bzw. ihr gefällt. Ich habe ein wunderschönes enges Kleid bekommen. Die Schülerinnen und Schüler übten seit Wochen das marschieren, was ohnehin jeden morgen nach der Assembly durchgeführt wird, noch intensiver und bekamen sogar Unterricht von einem Polizisten. Die Schulleiterin bat mich mitzumarschieren und auch die anderen Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler fanden, dass das eine gute Idee sei. Ich habe erst etwas mit mir gehadert, weil was soll eine weiße deutsche Freiwillige beim Unabhängigkeitstag der Ghanaer mit marschieren? – Aber ich fand dann doch, dass es geht, weil ich damit ja eher unterstreiche, dass ich es gut finde, dass Ghana unabhängig ist und außerdem fühle ich mich schon etwas als Teilzeitghanaerin, warum also nicht etwas Patriotismus zeigen?! So kam es also, dass ich mit den Schülerinnen und Schülern mit marschierte und die beiden, für die JHS ausgewählten Lehrerinnen und Lehrer zusätzlich unterstützen sollte. Das Üben machte schon sehr Spaß, auch wenn ich etwas unsicher war, da ich ja noch nie in meinem Leben so marschiert war, aber die Schülerinnen und Schüler halfen mir bereitwillig und erklärten mir auch, wie ich meine Fäuste zu machen hatte etc. Ein paar Gespräche musste ich dann führen, warum man in Deutschland nicht so marschiere und wie wir denn unsere Unabhängigkeit feiern würden, was ganz interessant für beide Seiten war, da ich sowohl etwas über die Problematik von Patriotismus, Nationalstolz und (militärischem) Gehorsamkeit/Disziplin durch die Zeit des Nationalsozialismus erklären musste, als auch dass Deutschland nicht so kolonialisiert wurde, sondern zu den Kolonialmächten gehörte. Und das erklär mal in einfachen Worten auf Englisch in einem Umfeld, in dem Disziplin, Gehorsamkeit und Respekt zu den wichtigsten Tugenden zu gehören scheint und jeden Morgen in der Assembly die Nationalhymne gesungen wird, während die Flagge gehisst wird...

Als wir dann in der Woche vor dem Independence Day zwei Mal zum „Rehearsal“ in den Jubilee Parc gefahren bzw. gegangen sind, wurde mir bewusst, wie ernst die ganze Sache war. Es sollte tatsächlich eine große Militärparade geben und unsere Schule sollte die E.P. Schulen vertreten. – Und ich sollte wirklich mitmarschieren?! - Okay, ein Rückzieher kam eigentlich nicht in Frage, da sich ja alle so freuen, dass ich mitmache, also hieß es für mich: Weiter Proben. Und es war dann gar nicht so einfach, wie es immer aussah…

Am 06.03. war es dann soweit. Um 6:30 Uhr haben wir uns an der Schule getroffen. Den Kindern (und Lehrkräften) wurde dann ein Frühstück gereicht. Es gab ein super leckeres und stärkendes Reiswasser mit grünem Tee (klingt nicht so lecker, war es aber) und dazu ein Brot. Anschließend wurden den Kindern neue weiße Socken mit Ghana-Flagge geschenkt, die dann angezogen wurden für den großen Tag. Gegen 8:15 kam dann ein Bus, der uns abholte und zum Jubilee-Parc Fuhr. Dort konnten wir erst einmal einige Zeit im Schatten sitzen und der Militärparade zusehen, bevor sich die Schulen aufstellen mussten. Dort standen wir dann auch einige Zeit, bevor wir durch die heiße Sonne unsere eingeübte Runde über den Platz marschiert sind. Es hat für mich wirklich alles ganz gut geklappt und wirklich Spaß gemacht! Leider sind von unseren Schülerinnen dann am Ende doch noch zwei umgekippt durch die Hitze, aber anders als bei anderen Veranstaltungen hier, war das Red Cross vor Ort und den Mädels konnte mit etwas Ruhe, Abkühlung und Traubenzucker schnell wieder auf die Beine geholfen werden!

Nach der Parade haben alle Kinder noch eine kleine Stärkung erhalten und die mitmarschierenden Lehrer durften sich ihr Mittagessen abholen, das war wirklich cool. Und da es ja ein Feiertag war, haben wir ihn dann auch wirklich gefeiert und sind nachmittags noch ganz typisch zu einem Pool gefahren. Warum wir das nicht schon mal längst gemacht haben ist mir wirklich ein Rätsel, da es wirklich total gut tat und viel Spaß gemacht hat…also ich denke, ich werde mich noch öfter in den Hotel-Pools von Ho rumtreiben.

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